215. Tag Freitag, 17. Dezember 2004 vor Catania > Syracusa 46 km (5.682 km)
(17.12.2004 19:10 h per eMail) Noch nie kam ich um 5:30 h aus dem Schlafsack. Es hatte die ganze Nacht subtropisch geregnet unb das steigerte sich am Morgen noch weiter. Ich liege ja unter einem Dach, was aber den Wassermassen auch nicht mehr Herr wird. So tröpfelt es munter auf mein Zelt. Also doch nass. Eine Ecke unter dem Überdach ist trocken geblieben. Dort sammle ich meine Sachen und hänge das Zelt etwas zum Trocknen auf. Frühstück ohne Wasser, das habe ich nachts ausgetrunken.
Als es dämmert hört der Regen schnell auf und ich marschiere los. Sandalen, denn die Autofahrer sind rücksichtslos. Sie rasen wie die Bekloppten und möglichst nahe an mir vorbei. Es hilft nur, wenn mich mal wieder einer anvisiert, den Pilgerstock mit Eisenspitze aus der Senkrechten in die Waagerechte . Lanze senkt! Das steckt denen wohl noch seit den römischen Legionären in den Knochen. Sofort werden die Abstände deutlich größer. Das ist zwar Nötigung, aber was soll ich machen? Erwischt du mich, ist vorher dein Beifahrer aufgespießt oder dein schönes Auto hat einen Mordskratzer.
Autos aus den Nebenstraßen haben grundsätzlich Vorfahrt! Ich bleibe jetzt demonstrativ vor der Beifahrertür stur stehen, was zu nervösen Reaktionen der Fahrer führt. Catania ist eine Verkehrshölle und die Strecke danach auch nicht sehr reizvoll: Industrieanlagen.
(17.12.2004 19:20 h per eMail) Den Etna kann ich nicht sehen, total in Wolken gehüllt. Er existiert für das Auge gar nicht! Es sind bestimmt Dampfwolken der nächtlichen Wolkenbrüche. Der Etna ist ein so genannter Vielkratervulkan, was ihn milde für die Umgegend, aber gefährlich für den Besteiger macht. Es sollen schon ganze Gruppen verschwunden sein! Das Bergmassiv hat zur Zeit 18-20 km Durchmesser und die 3.300 m hohe Spitze liegt nur 18 km vom Meer und das heißt 0 m!! entfernt. Wegekreuze weisen zum Etna und nicht zum Betrachter am Straßenrand. Furcht, Ehrfurcht und Bewunderung vermittelt er. Ärgert ihn nicht!! Redet nicht böse über ihn, dann lässt er uns auch in Ruhe!! Und die gelegentlichen Ausbrüche?- sind eher ein Touristenmagnet.
Bei Priolo komme ich in ein Gespräch mit GUISEPPE - so heißen viele hier - ob ich bis zu der herrlichen Kunststadt Syracusa durch 5 Raffinerien und 3 Zementwerke laufen wolle... Er weiß in Syracusa ein gutes Hotel für € 19.50, „PATHEON“. Da bin ich jetzt und spendiere GUISEPPE ein Morettibier. Es war seine gute Idee nach 46 km. Ich bin doch kein Tier! Und vom ersten Eindruck der Stadt bin ich begeistert. Vielleicht bleibe ich 2 Tage.
216. Tag Samstag, 18. Dezember 2004 Syracusa 16 Kunstkilometer (5.698 km)
(18.12.2004 18:50 h per eMail) Syracusa - ein normal gebliebenes Antiquarium Syracusa ist eine der Städte meiner Reise, die ich einmal wieder besuchen werde. Obwohl voll gepackt mit antiken Bauwerken und Kunstschätzen ist die fast 3.000-jahrige Stadt auf dem Boden geblieben. Die Engländer lieben sie besonders, weshalb sie auch ihren gefallenen Invasionssoldaten hier eine würdige Ruhestätte geschaffen haben. Aber auch die deutschen Kunstkenner lieben diese Stadt. Deutsch ist hier die zweite Fremdsprache, man merkt keine Anbiederung an den Sieger. Syracusa hatte noch mehr Eroberer und Aufbauer als Taormina . Der Naturhafen macht’s. Eigentlich war es uneinnehmbar und fiel nur durch Täuschung und Verrat, wie man liest. Genaueres habe ich noch nicht herausfinden können.
564. Gasse 565. Siracusa Kirche. Ehemals heidnischer Tempel.
Also, Syracusa ist auf dem Teppich geblieben, gerade deshalb ist es mir sympathisch. Ihr kennt mich langsam. Schon um 7:00 h war ich im Frühstückscafé unten im Hotel und bei strahlendem Sonnenschein brachte ich immerhin 16 Kunstkilometer hinter mich, wobei allein 6 km zur Kategorie "Gräbertourismus" zählen. Der kommt gleich!
Die alte Stadt liegt auf einer Insel und ist nur durch Brücken verbunden. Merke: Wo Bösewichte nur mit Mühe hinkommen, kam dafür umso leichter das Kapital hin. Und das blieb und vermehrte sich. Hatte man Geld übrig, weil es ja keiner klaute, profitierte die Kunst... Venedig ist ein noch besseres Beispiel. Und was sagt die Schweiz dazu...?
Einen Schweizer jedenfalls traf ich heute vor dem Domplatz, auf dem er heute Abend Musik machen wird: SERGE VOIROL, schon 16 Jahre auf der Straße... Vielleicht widme ich ihm eine Begegnung, da muss ich ihn allerdings heute Abend spielen hören. Weiter: Das Amphitheater kenne ich, das Ohr des Dionysius auch - also geht’s zum Grabtourismus über:
566. Britischer Soldatenfriedhof 567. Kanonier
(18.12.2004 19:40 h per eMail)
Gräbertourismus Als ich Ansbach passierte, pausierte ich vor einem Altvertrauten. Leider kam er nicht ganz auf das Foto, dass das Mädchen, das ich um ein Foto bat, nicht davon abzubringen war, dass meine Mini-Leica keine Digitalkamera sei. Sie hielt sie wie eine Monstranz vors Gesicht. Aller Protest half nicht. So wurde August Graf von Platen zugunsten meiner Person und einem Haufen Vordergrunddreck abgeschnitten. Link zum Foto. Mit dem Grafen verbindet mich die Poesie. Seine Gedichte haben mir und vielen meiner Schüler geholfen und Freude bereitet- obwohl ich sie auswendig lernen ließ. Ich zitiere eines:
Sonett
Wer wusste je das Leben recht zu fassen, Wer hat die Hälfte nicht davon verloren Im Traum, im Fieber, im Gespräch mit Toren, In Liebesqual im leeren Zeitverprassen?
Ja, der sogar, der ruhig und gelassen Mit dem Bewusstsein, was er soll, geboren, Frühzeitig einen Lebensgang erkoren Musst vor des Lebens Widerspruch erblassen.
Ein jeder hofft doch, dass das Glück ihm lache. Allein das Glück, wenn’s wirklich kommt, ertragen Ist keines Menschen, wäre Gottes Sache.
Auch kommt es nie. Wir wünschen bloß und wagen Dem Schläfer fällt es nimmermehr vom Dache Und auch der Läufer wird es nicht erjagen.
(18.12.2004 19:50 h per eMail) In Ansbach war ich also schon vorgewarnt und als ich nach Syracusa kam, fragte ich sofort nach. Sie hätten hier zwar eine Via von Platen - aber ein Grab nicht! Ich fragte nach dem Alten Friedhof. Da hätten sie zwei vor der Stadt. Auf dem einen liegen nur Engländer. So kam ich auf den würdigen englischen Soldatenfriedhof... Am offiziellen Friedhof kannte man zwar die Straße, eine große! Aber sein Grab hätten sie hier nicht.
Am Vorabend hatte ich WOLFGANG PAETSCH schon um Hilfe in Sachen August Graf von Platen gebeten, doch der weihnachtsfeiert und meldet sich erst jetzt: Das Grab existiert noch! Aha! Villa Landoline , im Park des gleichnamigen Grafen
(18.12.2004 20:50 h per eMail) Dort sei auch das Museum Paolo Orsi . Also, quer durch die Stadt! An der Pforte schickt man mich ins Museum und von dort in den Garten. Immer links an der Mauer entlang! Treppchen hoch. In lauschiger Ecke das Denkmal, Grab und Gedenkplatte. Alles voll von August Graf von Platen! Ein Marmorbildgarten wie bei Eichendorff... so möchte ich auch gerne einmal liegen...
568. Gedicht und Weihnachststern an v. Platen 569. August von Platen
August Graf von Platen hat mir manche gute Unterrichtsstunde geschenkt, jetzt schenke ich ihm einen Weihnachtstern und ein Gedicht. Verfasst an Ort und Stelle. Wasserdicht verpackt!
An August Graf von Platen
Du gabst mir viel mit Deinem Wort Und manchem meiner Schüler auch. Mit Findigkeit fand ich den Ort Vom Ende Deines Lebenslaufs.
Ein Weihnachtsstern soll weithin leuchten Dafür, dass Du mich hast so oft erbaut. Ich hoffe, dass er nicht von Leuten Dir allzu frühe wird geklaut...
Wolfgang Andreas nach 5.702 Fußkilometer vom Nordkap nach Sizilien .
Ja, Leute, Dichter muss man werden, dann vergisst man Euch nie! Ich meine natürlich nie nach dem Tode! Denn August Graf von Platen starb hier in Syracusa verarmt.
Doch der Gräbertourismus geht weiter: Das Archäologische Museum nebenan ist grossartig!! Für den Nichtkenner sollte man etwas mehr Leben hineinbringen wie im Arktikum von Rovaniemi - siehe die ersten Bilder Link zum Foto. Gräber aus der Broncezeit, Grabamphoren, Tausende von Gefäßen, Statuen, Statuetten. So was kennt die Welt nicht noch einmal!! Wer hier durch ging, hat allerdings den Vasenblick. Jetzt geht’s zum Fischessen.
570. Serge Voirel, CH, seit 16 Jahren "auf der Strasse". Frau und Kinder bei einem Unfall verloren.
217. Tag Sonntag, 19. Dezember 2004 Syracusa > Noto 43 km (5.741 km)
19.12.2004 20:50 h (SMS) Eigentlich 8 Klüngeligkeits-Kilometer zu viel, aber ich musste 4 km zurück. Hatte meine Mundharmonika samt Bügel am Bildstock des Heiligen Sebastian ... liegen lassen, wo ich mein Mittagsbutterbrot aß. FERDI rief an und faselte was von Alzheimer. Ich wäre ihm am liebsten mit etwas bestimmtem ins Gesicht gesprungen! ALESSANDRO stoppt seinen Wagen. Er war in Santiago und vermittelt mir in Noto bett & breakfast. Herrlicher Sonnentag, aber unendlich viele Sonntagsfahrer! Saugefährlich. Das Zimmer ist super. Wäsche gewaschen. Trockne sie gerade im Bett... Schlimmster Autokampftag der Reise. Wolfgang.
571. Barockstadt Noto
(28.12.2004 per Kurier) Syracusa ist also eine Stadt, die mich wieder sehen wird. Aber das Ende Siziliens ruft immer stärker, denn ich will Weihnachten nicht auf der Straße allein herumgeistern. Hier ist die einzige Stresssituation „arbeitender Menschen“ meiner ganzen Reise zu finden. Nie habe ich mich hetzen lassen, immer tat ich es aus Spaß ohne Zeitdruck. Jetzt ruft mich der 24. Dezember zum Timing meiner Reststrecke auf. Es sind ja nicht mehr viel: 2 - 3 Tage. Von Noto schwärmen hier viele Leute (aber das tun sie immer von den Besonderheiten ihrer direkten Umgebung), also werde ich versuchen die 35 km zu schaffen. Die Tagesanalyse lässt nichts Gutes erwarten: Sonntag, gutes Wetter, entsprechend starker Verkehr, Sonntagsfahrer. Ein Trost: parallel zu meinem Weg verläuft eine Autobahn. Dass diese sich im Bau befindet, merke ich erst, als dieser Tag als der härtester „Autokampftag“ in die Geschichte meiner ganzen Reise eingehen wird!
Um 7:00 h stehe ich schon vor meinem preiswerten PANTHEON-Hotel und stelle fest, dass das Café, das mir das bezahlte „Frühstück“ servieren soll, noch geschlossen ist. Nach Aussagen des Hotels sollte es schon um 6:00 h geöffnet haben. Ich warte, und als nun um 7:20 h der Keeper erscheint, rasselnd seine Schiebetür hochranzt, räume ich ihm die Tischgarnituren auf die Straße. Er wirft die Kaffeemaschine an. Nein, eine zweite Tasse Kaffee wäre in Hotelpreis nicht drin…. Einen Deubel werde ich tun, hier einen Extrakaffee zu bestellen. Das tue ich dann 50 m weiter bei einem Café, das vor ihm aufhatte. Am Bahnhof geht es vorbei Richtung Noto .
In einem Supermarkt „fasse“ ich Lebensmittel: Brot, Milch, Schokolade, Bananen, Schinken. 1 l Magnesiumwasser habe ich im Hotel schon in mich hineinlaufen (im wahrsten Sinne des Wortes) lassen. Die Flüssigkeitszufuhr verlief auf der ganzen Reise nach Plan: 3 - 4 l pro Tag. „Benzin“ sagte mir einmal ein Betrachter der Szene.
Im Supermarkt nehme ich mir die Zeit eine Preisliste aufzustellen, damit unsere deutschen Hausfrauen schon einmal wissen, auf was sie sich demnächst gefasst machen müssen. Das einfache Geldverdienen der „Lebensmittelmafia“, die in Italien und schon lange in Frankreich frohlockt, hat Deutschland schon längst im Visier. Hinter der Kasse sitzen am Sonntagmorgen – ich traue meinen Augen nicht - nur Rentner, 65 aufwärts, in dicken Mänteln. 5 offene Kassen. Das gibt die Größe des Marktes an. Und jetzt die planlose Liste:
½ l Bier Moretti 1,05 € 1 kg Tomaten, groß 2,11 € 70 g Schinken, geschnitten 2,12 € 3er Pack, kleine Joghurtbecher Nestle Mio 1,15 € 1 kg einfache Salami 17,00 € 1 kg Grand Padona Käse 12,00 € 1 kg Ricotta 5,75 € 250 g Butter 1,70 - 2,10 € 1 kg Hackfleisch, Schwein 7,20 € 1 kg Kotelett 6,20 € 1 kg Mortadella 9,90 € 1 l Frischmilch 1,20 -1,70 € 1 l H-Milch 0,80 - 0,95 € 1 kg Brot 1,55 € 1 kg Macaroni 0,67 € 1 kg Tomatensoße 0,99 € 400 g Marmelade, Heio 1,15 -1,80 € 1 Dose Cola–Light 0,45 € 1,5 l Cola 2,50 € Schokolade,Lindt, Lundor 1,45 € Sonstige Schokolade 0,90 -1,20 € 200 ml Nivea, Visage 4,50 € 1 kg Salat, geschnitten 5,60 €
Weiter geht es aus Syracusa heraus. Ich sehe eine Metzgerei. Was sagt mir innerlich eigentlich, dass ich jetzt unbedingt Sülze essen muss? Ich esse mit Heißhunger 400 g Sülze während des Gehens auf. Klar, sagt mein Volleyballgefährte und ärztlicher Betreuer Dr. HASERT in Olsberg am Telefon: Gelatine für die Gelenke, ich soll Zink nicht vergessen! Sollten wir nicht besser auf die Gelüste unseres Körpers achten, die uns ganz genau - wie bei Schwangeren - signalisieren, was gegessen werden soll? Hier wurde es mir nur besonders drastisch bewusst!
572. Nach dem Regen
Beim „Hl. Sebastian“ esse ich meine Butterbrote und bei der nächsten Tamoil-Oase halte ich mein Mittagsschläfchen. Beim Fortgehen merke ich, dass ich die Mundharmonika samt Bügel beim Heiligen vergaß. Da kann ich fluchen! Auf dem Rückweg ruft der treue FERDI an. Auch er begleitet mich handymäßig seit dem Nordkap . Als er etwas vom Alzheimer faselt, wäre ich ihm bald…. (s. SMS!) Der Hl. Antonius meiner Mutter hat wieder geholfen: das Instrument liegt brav vor dem Heiligenhäuschen auf der Steinbank. 8 km umsonst - das ist das Ergebnis. Die Raser halten am Sonntag doch nicht beim Hl. Sebastian an.
Plötzlich stoppt hinter mir ein Auto. ALESSANDRO. Er hat gewendet, als er die Muschel an meinen Hut sah. Student aus Noto , ein Jahr in Greifswald. Er war in Santiago und freut sich mit mir sprechen zu können. Ural ? Da komme ich mit! ALESSANDRO vermittelt mir am Abend in Noto ein Bet & Breakfast-Gasthaus preiswert. In der Dämmerung marschiere ich dort ein. Die Suche nach meiner Pension ist sehr schwer. Kreuz und quer schickt man mich durch die antike Stadtanlage, in denen meistens die Straßennamen fehlen. Endlich: “LA PIETRA D’ ORO“ ist eine saubere, neue Pension, geführt von einem netten jungen Ehepaar.
Wer hat schon von Noto etwas gehört Man fährt in Sizilien nach….! Noto ist voller herrlicher Barock-Kirchen in einem antiken Grundriss. Wundervoll! Der Spaziergang durch die nächtliche Stadt wird zum Erlebnis.
573. Auf der Traverse. Umwege!
21.12.2004 03:15 h (SMS) „Coole“ Jugendliche im Auto haben mich bewusst falsch geschickt. 8 km umsonst. Die fehlen mir am Abend am Kap ! Lustig – was? Diese Sorte gibt es in ganz Europa! Aristoteles beschrieb sie schon! Sie sind verstärkt hier im Süden anzutreffen.
(28.12.2004 per Kurier) Endspurt. Um 8:00 h gibt es Frühstück. Ich will es schon auslassen - man kennt es ja. Doch BARONE CARMELO hat ein richtiges deutsches Frühstück gemacht. Seit Deutschland gab es das nicht mehr! Brot, Butter, Käse, Wurst, Marmelade, Ei und Kaffee bis zum Abwinken… Um 9:00 h bin ich auf der Straße. Ein Telefonat mit Axel lässt mich wohl einen Wegweiser überlaufen. Nach einiger Zeit frage ich zwei Jugendliche nach dem Weg nach Pachino . „Ja, ja, immer geradeaus!“ Sie lachen: Nach einigen Kilometern halte ich an einer Tankstelle. Ich bin misstrauisch geworden. Der Sonnenstand warnt mich. Zurück und dann eine Traverse auf die Straße nach Pachino ! Hier sind Sie auf dem Weg nach Ragusa ! - Traversen kennen zwar Kenner aber keine Fremden! An einem einsamen Bauernhof mit friedlichen Hunden frage ich.
574. CORRADO, ROSARIO, ich, CORRADO aus Lippstadt 575. Nicht mehr weit …den rechten Weg gezeigt
Fast richtig. Nur 200 m zurück. Man spricht deutsch. CONRADO arbeitet bei Hella in Lippstadt. Weihnachtsurlaub. Ich werde mit Wein und einer genauen Wegbeschreibung versorgt und ab geht es quer auf kalkigen Feldwegen die Traverse weiter. Ich habe ungefähr 8 km verloren. Die werden mir am Abend fehlen. Der Marsch ist ruhig. Rechts und links unendliche Plastikdächer – Melonen, Zitronenhaine.
An einer Tomatenplantage bitte ich um Wasser. Bekomme Sprudelwasser. Bitte um eine Tomate, bekomme 5 kg… alle sind nett und happy als sie erfahren, wo ich herkomme. Gruppenfoto.
576. Tomaten-Connection. Wasser und Tomaten für den Wanderer. Kurz vor dem Wolkenbruch und dem Kapp.
218. Tag Montag, 20. Dezember 2004 Noto > Capo delle Correnti Z I E L E R R E I C H T ! 38 km (5.779 km)
20.12.2004 17:50 h (SMS) 300 m von der Isola delle Correnti , ein winziges Eiland auf dem der Leuchtturm steht. Es ist geschafft! Ankunft 17:04 h. Dämmerung. Kam um 16:00 h in einen Wolkenbruch. Nass!
577. Endziel erreicht! Nass! 20. Dezember 2004 17:04 h. Sogar die Linse hat Tropfen. Seewind.
20.12.2004 19:45 h (SMS) So, nun habe ich mich eingerichtet: Zelt steht im Schilf, 50 m von der Brandung, und die donnert ganz schön! Der Platz ist malerisch. Hoffentlich regnet es morgen früh nicht! Liege sicher in meiner Röhre. Habe die nassen Sachen in den Schlafsack genommen. Mein erster Dank gilt dem Herrgott, dass er mich heile durch Europa geschleust hat. Mein Zweiter all den Menschen, die mir, durch was auch immer, dabei geholfen haben, dieses Unternehmen durchzustehen. Dass ich heute noch einmal richtig survival-mäßig heran genommen wurde ist okay. Hatte ich es mir doch in letzter Zeit immer bequemer gemacht... Danke und Gute Nacht Wolfgang.
578 Geschafft! Rückblick. Einer der wenigen.
(28.12.2004 per Kurier) Noch ein paar Kilometer bis zum Kap. Da kommen Wolkenbrüche, fast subtropisch. Werde es im Hellen nicht schaffen. Um 17:04 h bin ich am Ende meiner Tour durch Europa . Total durchnässt. Nachtfoto. Wenigstens kann ich in Ruhe mein Zelt aufschlagen. Bei dem Sauwetter bleiben auch Bösewichter zu Hause. Das Meer geht hoch, das kleine Fort auf dem vorgelagerten Inselchen gleichen Namens wird umbrandet. Im Schatten von 2 m hohem Schilf steht mein Zelt. Wenn ich es öffne, sehe ich das Kap . Alles Unnötige, was trieft bleibt draußen: Hut, Poncho, Schuhe. Strümpfe und Lederhose lasse ich an. Schlafsack. Essen. SMS. Gute Nacht!
579 SMS, Stirnleuchte an, nasse Socken auch ...!
Nach zwei Stunden ziehe ich die noch feuchte Lederhose aus. Die anderen Sachen sind „trocken geschlafen“. Es ist geschafft und vollbracht. Fast 6.000 km quer durch Europa liegen hinter mir. Es geht mir gut. Dem Herrgott sei Dank! Aber auch den lieben Menschen die mir halfen: mit Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft, Uneigennutz, kleinen Geschenken und vor allem mit ihren Gebeten. Herzlichen Dank! Ich liege noch lange wach. Nicht wegen der nassen Sachen, mehr wegen der aufgedrehten Gedanken. Zurück habe ich nie geschaut. Dafür ist es jetzt Zeit!
580. Mein Platz am Kap
21.12.2004 03:15 h (SMS) Bin nun endlich trocken. Sternklarer Himmel mit Orion über dem Capo delle Correnti . Morgen / heute auf nach Malta . Das Leben des vollen Bauchs ruft vor der Tür! Wolfgang.
219. Tag Dienstag, 21. Dezember 2004 Capo delle Correnti > Portopalo > Malta 10 km (5.789 km)
(28.12.2004 per Kurier) Vor 7:00 h bin ich aus dem Schlafsack. Ziehe die noch feuchte Lederhose an, bewaffne mich mit den Kameras und gehe an die Kapspitze . Sonnenaufgang. Herrliche Aufnahmen gelingen mir. Ich muss verschiedene Belichtungen wählen. Solche Aufnahmen gelingen nur mit der M3. Handarbeit. Zurück beim Zelt trockene ich die noch nassen Teile (Zelt und Poncho). Die Sonne wärmt schon.
581. Capo delle Correnti , morgens “Fisherman” 582. Capo delle Correnti , die letzten Schritte in Europa
583. Capo delle Correnti, morgens
Mit Gepäck werden die restlichen Kapaufnahmen gemacht. Dann lege ich den Stein aus Ausschwitz- Birkenau ins Wasser – mein Rucksack ist 300 g leichter. Als ich das Kap verlasse, sprechen mich zwei junge Sizilianer an, sind begeistert, machen Fotos.
584. Stein aus Auschwitz, 300 g, 6000km durch Europa getragen, am Kap ins Wasser gelegt.Orate pro nobis!
Ab Portopalo gehen Busse nach Pozallo ! Ich laufe noch 10 km und gegen 11:00 h bringt mich ein Bus nach Pachino . Aber von da geht es nicht weiter. Eine Dame mit Kleinbus will mich für € 20,00 nach Pozallo bringen. Ich lehne ab. Ich habe Zeit. WOLFGANG PAETSCH schickt mir eine SMS, dass die Fähre nach Malta erst um 19:00 h ging.
21.12.2004 19:10 h (SMS) Nach Pozzallo mit dem Bus. Von Pozzallo Katamaran-Fähre nach Malta . € 78,00, 90 Minuten. WOLFGANG PAETSCH holt mich am Hafen ab. Die Fähre legt jetzt ab. Wolfgang.
(22.12.2004 11:35 h per eMail) Mit Malta hat alles gut geklappt. WOLFGANG PAETSCH wartete mit Taxi am Hafen. Das „CROWN PLAZA HOTEL“ erweckt wegen des Luxus ein schlechte sGewissen bei mir. Aber es ist hier wunderschön. Die Knallerei, von der Axel erzählte, hat noch nicht eingesetzt. Jetzt gibt es eine Stadtführung mit dem Maltasachverständigen WOLFGANG PAETSCH. Wie Sainte Marie de la mer ist Malta auch Mauseloch für Zivilisationsgeschädigte. Total christlich. Die letzte Bastion in Europa. Scheidungsrate 1,5 %.... Bis bald. WOLFGANG und Wolfgang.
(28.12.2004 per Kurier) Für € 2,00 würde sie mich ein Stück mitnehmen. Den Rest, 25 km, müsse ich dann laufen. Schön, immer am Meer entlang. Ich will jetzt nicht mehr laufen!!! Aber ich kriege sie! Ich willige ein. € 2,00 für ein paar Kilometer. Unterwegs erzähle ich ihr meine Story und lege € 12,00 in das Handschuhfach. Dafür könne sie mich doch wohl nach Pozallo fahren. Sie sagt nichts und fährt mich bis in den Fährhafen. Nun habe ich Zeit! 4 Stunden Hafenbar - Tagebucheinträge.
Am Schalter erkläre ich der Dame, dass ich von Malta zurück nach Cantania fahren möchte. Dann kann ich ihnen nur ein One-Way-Ticket verkaufen, € 78,00. Auf Malta erfahre ich, dass Pozallo im Winter die einzige Verbindung mit Sizilien sei. Das Return-Ticket hätte € 86,00 gekostet. Am Hafen in Valletta wartet WOLFGANG PAETSCH mit einem Taxi. Es geht zum Stadtteil Sliema . Das „HOLIDAY INN CROWNE PLAZA“ ist ein 5-Sterne –Hotel mit „würdiger, gesetzter Belegung“. Man lässt den Europawanderer kostenlos im Doppelzimmer von WOLFGANG P. schlafen. Ich muss nur die Verpflegungskosten berappen. Ein großzügiger Zug. Abendessen, Bier, Vollbad. Gut Geschlafen.
220. Tag Mittwoch, 22. Dezember 2004 Malta 13 km (5.802 km)
(22.12.2004 19:05 h per eMail) Auch heute konnte Wolfgang A. seinen Wandertrieb nicht unterdrücken und wurde von WOLFGANG P. 13 km durch La Valetta und Umgebung gescheucht. Höhepunkte waren der Palast der Großmeister und die Waffenkammer der Malteser Ritter ; dann kam wieder "Gräbertourismus" der Sonderklasse: 5.000 Jahre alt. Im Hypogeneum , wo nur eine erlesene Auswahl von Besuchern hineinkommt, fühlte man sich wirklich 5.000 Jahre zurückversetzt. Eigentümlich, die Figuren der Weiblichkeit hatten sehr sehr "ausladende Hüften", was mich an die namibianischen "Speicherplätze" in den Trockenperioden der Wüste erinnerte. Ein gelungener Besichtigungstag. Dank an den Fachmann WOLFGANG P.! Das Ende findet beim Abendbuffet einen würdigen Abschluss. WOLFGANG und Wolfgang.
585. Großmeisterpalast 586. Großmeisterpalast - Valetta
(28.12.2004 per Kurier) WOLFGANG P., der seine Liebe zu Malta letztes Jahr schon entdeckt hatte, schaffte es, mich immer hin 13 km kundig durch die Insel zu führen: Palast der Großmeister, Hypogenium , Parkanlagen. Wäre es nach mir gegangen: ich wäre liegen geblieben, obwohl mir mein Arzt geraten hatte, nicht abrupt die Lauferei abzubrechen. WOLFGANG P. hat mit mir nur das Richtige veranstaltet. Langsam Abbremsen!
587. Abfassen der Berichte, bisher in Bauchlage.
221. Tag Donnerstag, 23. Dezember 2004 Malta 7 km (5.809 km)
(23.12.2004 13:35 h per eMail) Gestern Abend gab es ein phantastisches Essen. Tolle Bratkartoffeln. Hier ist alles (fast) britisch. Der Stil gefällt mir. Malta ist eine einzige Festungsstadt. Überall Bastionen, Fort und Schanzen. Meine Güte, wer wollte den Maltesern immer etwas wegnehmen, dass sie solche Verteidigungswerke schufen. Heute Morgen fuhren wir durch 5 Häfen. Strahlender Sonnenschein und eine steife Brise. Durch den Geschäftsführer des Hotels wurde mit auf einem silbernen Tablett ein Brief überreicht: ein Engländer, mit dem ich mich gestern über meine Aktion unterhalten hatte, schrieb mir einen dreiseitigen Brief und drückte mir seine Hochachtung aus. Weiterhin meint er, ich soll etwas für behinderte Kinder in der Ukraine unternehmen, wenn es durch Russland geht. Gruß WOLFGANG und Wolfgang.
588. WOLFGANG PAETSCH mit mir im Crowne Plaza 589. Exote an der Rezeption, alle hatten Spaß an mir. Nix Amani! Mal ein andrer Gast...
(28.12.2004 per Kurier) Auch der nächste Tag ist mit Aktivitäten gefüllt. Stundenlange Hafenrundfahrt und Abendspaziergang am Meer entlang. MARLISA und USCHI aus Dortmund begleiten uns. Als wir den schützenden Hafen verließen, zeigte das Mittelmeer einen überraschend hohen Wellengang und das Boot stampfte ordentlich in der Dünung. Häufig schlief ich tagsüber ein, weshalb ich „früh“ ins Bett flüchtete. Das „Abhängen“ zeigte deutlich jetzt seine Wirkung. Das wird wohl so einige Tage weiter gehen.
590. Hafenansicht Valetta / Malta
591. La Valetta Sarkopharg 592. Sie wollte auf den Arm genommen werden; von einem Mann in Lederhose- Bieetttäää!
222. Tag Freitag, 24. Dezember 2004 Malta 10 km (5.819 km)
24.12.2004 18:30 h (SMS) Frohe Weihnachten, die guten Willens - und das seid Ihr bestimmt alle meine Leser! – von Wolfgang, der auf Malta vor vollen Fleischtöpfen und Kannen sitzt. Abhängen ist angesagt – penne dauernd ein...
(29.12.2004 per Kurier)
Heiliger Abend, Malta Als ich erfuhr, dass die VIRTU-Fähren die einzige Verbindung nach Sizilien sind und die nächste erst am 26.12. fährt, ahne ich, dass man mir ein zweites One-way-Ticket andrehen wird. VIRTU hat das Monopol! Wir fahren zum Büro, aber dort zuckte man nur die Achseln. Niemand da, kleine Besetzung.
Verdrießlich fahren wir nach Mosta zu der riesigen Kuppelkirche: viertgrößte Kuppel Europas. Leider können wir sie nur von außen bewundern. Die Kirche ist geschlossen. Auf der Suche nach Fotomotiven und Impressionen durchstreifen wir die Stadt. Wolfgang P. haben es die Gassen und Altane angetan.
Vor dem großen Abenddinner ist Bescherung: WOLFGANG P. hat mir die Italienische Reise von Goethe mitgebracht, schön in Weihnachtspapier verpackt. Ich freue mich riesig. Beim ersten Lesen merke ich schon, dass vieles seit 1786 in Italien gleich geblieben ist…..WOLFGANG, herzlichen Dank!
Außer den flackernden Weihnachtsbäumen und einer Krippe ist nichts Weihnachtliches im Hotel. Unser Tisch, inzwischen haben sich BEATE und PETER dazugesellt, beschließt im Foyer einige deutsche Weihnachtslieder zu singen. Das klappt ohne Vorüben und ruft bei vielen frohen Beifall hervor. Ich begleite mit meinem Gitarrchen. Das musste sein! Besonders die englischen Gäste finden unsern Gesang passend und freuen sich.
593. Weihnachtssingen. Alle Jahre wieder...
MIKE HANDCOCK schreibt nun einen seitenlangen Brief. Wir verstehen uns auf Anhieb gut. Rührend wie er sich um seine sehbehinderte Frau kümmert. Wir werden uns bestimmt in England wieder sehen. Da ich seit Tagen mehr die Ruhe ersehne, bin ich schon um 23:00 h im Bett. Die Anrufe der Kinder und Freunde tun gut.
594. My very British Friend MIKE HANDCOCK
223. Tag Samstag, 25. Dezember 2004 Malta 6 km (5.825 km)
(SONJA RÖSKE Auszug aus Weihnachts-eMail 25.12.2004 17:05 h) Wolfgang, Du bist der Beweis dafür, dass das Alter relativ ist, sonst würdest Du wohl nicht vom Nordkap zu Fuß bis zum untersten Teil Kalabriens laufen können. Ich bin froh und stolz Dir „über den Weg gelaufen“ zu sein. Wir sehen uns, wenn es klappt, im Januar. Sag’ einfach Bescheid wann Du ankommst, ich wohne ca. 15 Minuten Fußweg vom Hauptbahnhof entfernt(ich gehe natürlich davon aus, dass keine öffentlichen Verkehrmittel von Dir benutzt werden…) und hole Dich wenn möglich ab. Sonja Rössle
(Anmerkung der Redaktion: Danke für das weihnachtliche Foto mit Wolfgang. Du findest es unter dem 207. Reisetag)
595. Tischgemeinschaft
(29.12.2004 per Kurier) Ausgeschlafen. Erst um 9:30 h zum Frühstück gegangen. In Valetta findet um 11:00 h ein deutscher Gottesdienst statt. Die Pfarrei „St. Barbara“ wird von Fulda mitbetreut. Mit deutschen Weihnachtsliedern findet auch innerlich bei uns Weihnachten statt. Der Rest des Tages geht mit Mittagsschlaf und Goethes Italienreise ruhig zu Ende. Beim letzten Dinner legen wir eine erstaunliche Zurückhaltung an den Tag. Es wird auch höchste Zeit… Die Zeit der vollen Fleischtöpfe ist somit zu Ende. Das italienische Frühstück erwartet mich.
596. Arabische Hausfassade in Mosta
Malta – eine Bastion des Christentums. Schon immer. Man benötigt nur einige Stunden um auf Malta festzustellen, dass hier nichts ohne die katholische Kirche läuft und laufen kann. Auf Schritt und Tritt begegnen einem Geistliche, fast alle Häuser haben am Eingang eine eingemauerte Platte mit einer Heiligenfigur, wenn nicht Maria selbst. Ich sah keinen Autobuslenker, an dessen Arbeitsplatz weniger als zwei Heiligenbilder installiert waren. Für 1.000 Einwohner eine Kirche, das macht fast 400 Kirchen auf der kleinen Insel. Die kirchlichen Einrichtungen umfassen hier alles, auch die Politik.
Offensichtlich sind die Malteser mit der katholischen Kirche seit den Türkenbelagerungen (Osmanen) 1565 so gut gefahren, dass sie felsenfest an ihr festhalten. Die Kirche hier muss ihre Rolle aber auch so verantwortungsvoll gespielt haben, dass ihre Vormachtstellung nicht gebrochen wurde. Der Ursprung dieser Liebe zur Kirche ist der ungeheure Widerstand den Malta , das hieß Johanniterorden, der Ausbreitung des Islams aus eigener Stärke entgegenstellte. Im Mittelpunkt dieses Kampfes steht der französische Großmeister „La Valette“, ein militärisches Genie. Die Hauptstadt trägt seinen Namen. Er schweißt die Malteser bis heute zusammen.
Die ganze Insel besteht aus Festungsbauwerken in dem typisch hellgelben Kalkstein, den man mit der Säge zerteilen kann und der hart wird, wenn er an die Luft kommt. Dieser sägbare, also leicht zu gewinnende Baustein, ist schuld, dass die Festung Malta schnell und einfach erbaut werden konnte, ehe es die Osmanen erobern konnten. Als diese mit mit ihrer Flotte vor Malta auftauchten und die Werke sahen, fielen ihnen bald die Augen heraus, berichtet die Geschichte.
Katholische Kirche, Steine und Kanon – das ist Malta . Wenig Italienisches ist hier zu finden. Dafür umso mehr Britisches und Deutsches. Denn obwohl wir hier – wieder mal – im Krieg gegen England ungeheuer herumgebombt haben, tritt man uns Deutschen offen mit großer Sympathie gegenüber.
Die ausgesprochene Sauberkeit auf der Insel habe ich dankbar aufgenommen.
224. Tag Sonntag, 26. Dezember 2004 Malta > (Flug) Rom 12 km (5.837 km)
27.12.2004 17:00 h (SMS) In Rom grandiose Krippentour. Ereignisreicher Tag. Bericht folgt – versuche ins Netz zu kommen. Außer Kirchen und Gastronomie ist alles geschlossen. Gruß Wolfgang.
(28.12.2004 15:00 h per eMail)
Rückzug mit Hindernissen Am 26.12. soll von Malta der Heimweg angetreten werden. WOLFGANG P. fliegt auch und soll sich ab 5:00 h im Hotel-Foyer aufhalten. Shuttlebus zum Flughafen. Mein Katamaran legt um 9:00 h ab, in Valetta , wir wohnen in Sliema . Ich stehe mit WOLFGANG P. auf. Nescafé aus meiner Verpflegung.
Da der erste Bus erst um 6:00 h fährt, entschließe ich mich zu einem Morgenmarsch nach Valetta , immer an der Bucht entlang. Um 7:00 h finde ich die erste Messe in maltesisch, einer seltsamen Sprache: griechisch-arabisch-englisch - Viele Gottesdienstbesucher in der Herrgottsfrühe. Inzwischen schickt mir WOLFGANG P. vom Flughafen die Information, dass nach 9:00 h eine Maschine nach Rom fliege. € 156,00. Ich gehe dennoch zur Fähre.
Wenn die ihre Desinformation anerkennen und mich nur die Differenz zu einem Rückfahrticket bezahlen lassen, fahre ich mit der Fähre, sonst nehme ich das Flugzeug. Der Handel erübrigt sich: der Katamaran fährt nicht, zu hoher Wellengang. Ich meine, zu wenige Passagiere.
Ich fahre zum Flughafen. Mein Pilgerstock wird extra durchleuchtet. In Fiumicino landen wir dann auch ohne meinen Pilgerstock. Die Packer haben offensichtlich nur den Blick für dicke Pakete.
597. PATER HÖFER SJM vor der Gregoriana Universität . Helfer in vielen Nöten.
225. Tag Montag, 27. Dezember 2004 Rom 0 km (5.837 km)
(28.12.2004 15:30 h per eMail) Übliche Reklamation. Beim Fahrpreis nach Rom schlagen sie auch dem Fremdling wieder eins um die Ohren: € 5,00. Keine Gültigkeit in der Metro und im Bus. Eine Station vor dem Flughafen würde das allgemeine 1-€-Ticket gelten... Die Einheimischen bekommen einen Regionalfahrschein, denn parallel zur "Schnellbahn" läuft der Regionalzug. In Termini löse ich den 1-€-Schein und fahre nach Laurentina . Mein Zimmer ist frei und ich bezahle gleich für 4 Übernachtungen. Der Fahrschein gilt noch und ich fahre zurück nach Sankt Peter .
Eine wunderschöne Krippe ist um den Obelisken aufgebaut, eine noch schönere imers Petersdom selbst. Lebensgroße Figuren, echte Schinken und Würste am Balken. Was werde ich heute noch andere herrliche Krippen zu sehen bekommen! Was ich sonst mit meinen Kindern und Enkelkindern mache, gönne ich mir jetzt allein: Den Corso Vittoria . Er geht entlang von Kirche zu Kirche, von Krippe zu Krippe, eine schöner als die andere. Ein weihnachtliches Orgelkonzert alter Meister von Frescobalde bis Clerambault in St. Giovanni de Fiorentini hebt meine Stimmung weiter und den Ärger um den vermissten Pilgerstock und das Sauwetter gründlich vergessen.
598. Krippe vor dem Petersdom. 599. Schwedische Königin Christina, Tochter Gustav Adolf's. Wurst und Schinken an der Stange. Sie ritt lieber als in goldener Kutsche zu fahren. Münzteppich, täglich gesäubert! Grab im Petersdom.
(28.12.2004 15:50 h per eMail) Bei Sankt Andreas säbelt im Autostau ein slamlom-fahrender Motorradfahrer einen zwischen den Autos hergehenden Fußgänger gründlich um. Sechs Personen stehen um den Verletzten herum, schnattern und diskutieren - ein Riesenpalaver. Hier hätte HDS gefehlt! Der Fahrer der schweren Maschine hebt immer beide Hände wie die Fußballer, die gerade einen Gegner planvoll vor dem Strafraum umgesäbelt haben... Ich habe gar nichts getan. Es ist kalt und regnet, aber keiner der Palaverer kommt auf die Idee, mit seiner dicken Winterjacke den Verletzten zu wärmen. Ich trete hinzu, zeige auf die Jacken. Da keiner reagiert, ziehe ich meine aus und decke den Verletzten ab. Bei seinem weißen Gesicht müssten jetzt eigentlich auch noch die Beine hoch gelagert werden aber - meine Jacke habe ich inzwischen zurück – da ich mir mit der Jacke schon Feinde genug geschaffen habe, suche ich das Weite.
Das dauernde Palaver, verbunden mit Nichtstun, geht mir auf den Geist - überall. Der Unfallwagen ist nach 15 Minuten noch nicht da. Und das mitten im Zentrum von Rom! Bestimmt kommt er bei der wilden Parkerei nicht voran. Ich jedenfalls werde demnächst bei haltenden Autoschlangen als Fußgänger mehr Vorsicht walten lassen. Der Mann hatte keine Chance, die sausen hier zwischen den Autos rum… Das wäre somit der vierte schwere Unfall in Italien , den ich unmittelbar zu sehen bekomme.
Mich würde einmal die Unfallstatistik hier interessieren. Vor allem aufgeschlüsselt nach dem "Dreck der Straße" - dem Fußgänger. Wer kann es besser bezeugen als ich!! Über 1.700 km durch Italien a piedi! Die Wut über so viel Unfähigkeit kann mir auch das herrliche Pantheon und der Palazzo Colonna nicht ganz nehmen. So entschließe ich mich etwas Essen zu gehen.
(28.12.2004 16:10 h per eMail) Pizzaria-Ristorante des Heiligen Ignatius am gleichnamigen Platz. Es kann nur meine innere Aufregung und meine guten Erfahrungen mit den Jesuiten schuld sein, dass ich das einfache Lokal betrete, vor dem k e i n e Speisekarte hängt! Ich sitze noch nicht ganz, da liegt schon das Platzdeckchen, das Brotkörbchen, das Besteck, ein aufgeblasener Pizzateig, knusperig, vor mir. Als ich die Karte lese, haut es mich fast um. Ich bestelle eine Viertel Liter roten Hauswein und ein Steak, €16,00. Kein Wasser, kein Gemüse, keinen Kaffee, kein Dessert. Schadenbegrenzung.
Das Steak ist auf einem Toast platziert, damit es dicker aussieht. Das Beste ist die Soße, wirklich köstlich, die hat er auf Vorrat. Die Rechnung, ein Zettel, nicht fiscalisch-offiziell!: Coperto € 2,00 - das sind Serviette und drei Scheiben Weißbrot Wein € 6,00 - darf höchstens € 4,00 kosten Steak € 18,00 - € 2,00 zuviel berechnet Bedienung € 3,00 - selten nicht inclusive
Ich lasse mir die Karte bringen und weise auf das Steak hin, das € 16,00 kosten soll. Schwupp wird die 8 zur 6. Also 27. Eben mal 4,00 Mark gespart. Und das alles in einem einfachen Lokal im Pizzariateil. Ich sage der Kassendame meine Meinung und lasse freundlich meine Karte da.
Nur den Rechnungszettel finde ich nicht mehr... raus hier! Der Heilige Ignazio hätte das wahrscheinlich schon nach dem ersten Blick auf die Speisekarte getan. Draußen erwischt mich ein Unwetter, das mich zum Poncho und Unterstellen zwingt. Ab morgen wird sich selber verpflegt! Wie schrieb schon der betuchte Goethe vor 218 Jahren in seiner "Italienischen Reise": "... als Fremder mit ihnen zu verkehren ist beschwerlich und kostspielig!"
600. "Fensterkühlschrank", Selbstverpflegung
(28.12.2004 16:20 h per eMail) Es gibt in Italien eindeutig eine doppelte Preisgestaltung - wie früher im Ostblock für die Westler. In der DDR war das sogar offiziell! An die Preise der Einheimischen heranzukommen ist schwer. Man muss schon zuerst einer der IHREN werden - und in Rom wird man das nie. Ergo: In Rom meidet man tunlichst die Restaurants und in den Pizzarien muss man darauf achten, dass das Coperto nicht teurer als die Pizza selbst ist. Die Römer haben mit dem Euro endgültig abgehoben. Ein weiteres Ergo: Der unschätzbare Rat für einen Romreisenden bis zu einem Monatssalär von € 3.000,00: Er lasse manch unnützes Trumm zu Hause, nehme dafür aber ein Picknick-Korb-Koefferchen mit ins Gepäck. Das von Aldi hat sich in einem Tag bezahlt gemacht, das von Lagerfeld dauert etwas länger.
226. Tag Dienstag, 28. Dezember 2004 Rom 21 km (5.858 km)
(29.12.2004 20:20 h per eMail) Was in einer Stadt wie Rom so an Kilometer zusammenkommt, es ist unvorstellbar! Dabei bin ich nur bis zu Sankt Peter , dann zum Venezia , habe einen Internetpoint gesucht, bin zur Spanischen Treppe gelaufen und in der Dämmerung zum Goethedenkmal , wieder Internet und dann nach Hause - 21 km.
Nun, einige Kirchen waren auch dabei...
Es ist schon seltsam, dass der Petersdom magisch anzieht. Sogar den Johann Wolfgang von Goethe, der sich häufiger abfällig über die Kirche in seiner Italienischen Reise äußert, aber er kommt immer wieder hier her und besucht eine Kirche nach der anderen. Er muss doch wissen, dass der Glaube schuld an den ganzen Herrlichkeiten ist, die ihn von einer Bewunderung zur anderen reißen. Und dann kommt er immer mit seiner "protestantischen Seele" an... - das ist doch gar nicht protestantisch, was ihn da immer anfleucht.
Jedenfalls will ich eine Audienzkarte für Mittwoch haben. Die Schweizer Garde schickt mich ins deutsche Pilgerbüro Via Conziliazione 51. Das Büro ist von einem netten Jungen Mann besetzt. Alles leidet aber unter dem Wort "Urlaubsvertretung". Er gibt sich Mühe, findet aber nicht einmal einen Stempel für mein Pilgerbuch. Was sie denn hier täten, frage ich. Geistige Pilgerbetreuung, Quartiervermittlung usw. Wo Messen gehalten werden... - na, da braucht man nur in eine Kirche zu gehen, da hat man eine Messe! Ich spüre aber - wie auf meiner ganzen Reise auch hier - der wirklich, sich quälende Pilger, der Mühsal auf sich nimmt um des Glaubens Willen, wird überhaupt nicht mehr erwartet. Auch hier: die Pilger werden verwaltet, nach Busladungen sortiert...
601. Pantheon
Italienische Reise – frei nach Goethe Als Stempelersatz schnippeln wir das Emblem des Pilgerbüros aus einem Briefkopf heraus und kleben - Kleister hat das Büro - es in meinen Pilgerpass. Quartiere bietet das Büro auch an - wenn man sich früh genug anmeldet! Als ob man als Fußpilger, das so genau voraussagen kann! Der Preis? Das fange so bei € 20,00. Er möchte natürlich gerne wissen, wo ich denn für die Hälfte in Rom übernachten würde, aber das verrate ich ihm nicht. Er sei eben auf der Touristenschiene, ich auf der italienischen. Eine Haltung - wie ich sie in Santiago antraf - dem Pilger, nicht dem Bustouristen(!), eine billige, meist kostenlose einfache Unterkunft bereitzustellen, konnte ich in Rom nicht ausmachen.
Hier wird Geld gemacht - auch von den Klöstern, Mutterhäusern etc. Dass aber ein „echter“ Pilger, der Hunderte Tage unterwegs ist, diese Preise gar nicht bezahlen kann, berücksichtigt man hier in Rom überhaupt nicht. (Oder ich bin in diese „Pilgerschiene“ noch nicht hineingekommen.) Aber fast alles bisher in Italien Erfahrene, bestätigt meine Meinung: Leider, leider, leider tritt das Kommerzielle in allen sieben Ländern die ich bereiste, hier am stärksten hervor. An Pilger muss man sich vielleicht erst wieder gewöhnen und der Tourist - vor allem der Tedesco - wird abgezockt. Doch, wie schrieb doch Goethe vor über 200 Jahren… es steht etwas weiter vorne! Hier ist also Not am Mann, etwas zu tun.
Mit Dank verlasse ich die Urlaubsvertretung; nun als stolzer Besitzer von zwei Audienzkarten: eine vom Büro und eine von der Schweizer Garde . Vielleicht kann ich da einem Jammernden vor der Schweizer Garde morgen eine Freude machen. Eine Neuigkeit nehme ich mit: KARDINAL RATZINGER feiert jeden Donnerstag um 7:00 h seine Heilige Messe in der Kirche am Campo Santo , dem deutschen Friedhof. Das hieße spätestens um 6:00 h aus der Unterkunft gehen.
Am Platz Barberini sei ein Internetpoint, die nähmen nur € 2,00 für eine Stunde. Metrofahrt. Dort kann ich an Axel den Bericht loswerden. Nun gehe ich die Via Veneto hinauf bis zur Stadtmauer, an mehreren Botschaften vorbei. Die amerikanische ist bestimmt stark gesichert, man sieht es nur nicht direkt. Die Parkplätze vor dem Gebäude sind gesperrt. Am Parkeingang Borghese haben sie einen Fesselballon an der Leine. Rauf und runter. Jede Fahrt € 18,00.
602. Goethedenkmal
Das Goethedenkmal - das größte und eindruckvollste der Dichterdenkmäler - zeigt den jungen Goethe in Kniebundhose auf einem korinthischen Säulenkapitel, umgeben mit Hauptgestalten seiner Dichtungen: Werther, leidend… Faust, von Mephistopheles beschwatzt … der Dritte könnte Tasso sein, vielleicht hilft mir jemand. Schade, dass man den Mephisto immer demoliert. Ihm fehlt schon wieder ein Horn und die Nasenspitze. Als ich ihn vor 25 Jahren meinen Schülern zeigte, war es auch schon so. Das Denkmal ist aber frisch gereinigt, der Marmor strahlt hell. So strahlend habe ich es noch nie gesehen. Ein italienisches Pärchen kommt vorbei und ich höre die Frau sagen: Der Deutsche trägt die gleiche Hose wie Goethe da oben… seine war nur nicht aus Leder!
Nun mache ich einen Spaziergang zur Spanischen Treppe und schieße einige Nachtaufnahmen. Ein wahnsinniges Gewühle ist von oben herab auszumachen. Ich stehe am Obelisken, dessen Aufstellungsarbeiten Goethe miterlebt hat (siehe italienische Reise). Da stellen sich Gedanken ein! Was ist Zeit? Was sind wir? Was ist seit dieser Zeit alles über unseren Kontinent gegangen – seit 1786!
603. Blick von der Spanischen Treppe. 604. Immer Menschengewühle. Tag und Nacht!
Ich habe kein Verlangen, in ein Restaurant zu gehen. In meiner Unterkunft kann ich ausspannen, lesen, essen, trinken, musizieren. Hier brauche ich mich nicht über die Unverschämtheiten der römischen Gastronomie zu ärgern. Die armen Touristen! Die Römer müssen halt nur aufpassen, dass den Leuten, vor allem der Jugend, die immer weniger humanistisch gebildet werden, die Verzücktheit über die antiken Ruinen bei den Preisen nicht vergeht. Nun, dann bleibt immer noch der Papst und das herrliche kirchliche Rom .
Beim Lesen in der „Italienischen Reise“ fallen mir so viele Parallelitäten zu meiner eigenen Reise auf, dass ich mir oft die Frage stellte, ob sich Menschen im Wesen überhaupt grundlegend ändern. Und noch einmal zu Goethe, der mich nun seit Tagen begleitet: Er kanzelt alle die ab, die Kritik üben - er fällt ja auch bei seiner Regenerationsreise mit rosaroter Brille von einer Verzückung in die andere. Mit seinem Blick nach oben, streift er nur den herumliegenden Unrat und in einer Nebenbemerkung meint er, dass in der kurzen Zeit wo er in Rom sei, allein in seinem Viertel mehrere Personen schon „abgestochen“ wurden… Ich möchte nicht die Sorgen seiner Helfer und Organisatoren, das Gekeife, Gezeter, Gehandel hören! Das ist bestimmt irgendwo niedergeschrieben worden. Es kann gar nicht anders gewesen sein!
Der Abend klingt angenehm in meinem „Sparta“ aus.
227. Tag Mittwoch, 29. Dezember 2004 Rom 15 km (5.873 km)
(05.01.2005 Nachtrag) Ein sehr angenehmer Tag liegt hinter mir. Schön, dass das so am Ende meiner Fußreise ist. Erst als mir die auf Halbmast hängenden Fahnen auffallen, informiere ich mich und erfahre von der entsetzlichen Katastrophe in Südostasien. Später höre ich es dann auch in der Audienz selbst, als für die Opfer gebetet wird.
Also, aus der Messe mit Kardinal RATZINGER wird nichts - er sei in Urlaub, hatte ich am Abend erfahren. So kann ich ausschlafen und ordentlich frühstücken. Kurz vor 10:00 h bin ich auf dem Petersplatz . Dieses Mal ist die Audienz in der Audienzhalle links vom Petersdom . Die Halle ist architektonisch schön gestaltet; die Akustik hervorragend, die Sicht gut. Es gefällt mir so besser, als vor Wochen die Audienz im Petersdom .
Ein paar tausend Leute füllen die Halle. Manche Gruppen „outen“ sich mit Kleidung, Wedeltüchern, Fahnen, Fanfaren, Gesängen. Die polnische Gruppe fällt besonders auf: Schwarzer Anzug, weißes Hemd, Schlips. Pünktlich wird der Papst JOHANNES PAUL II. herein gefahren. Stehen ist zu anstrengend. Großartig, wie der Mann das bei seiner Krankheit bewältigt: Er spricht italienisch, französisch, englisch, deutsch, spanisch, polnisch und wieder italienisch. Herzlicher Jubel brandet immer wieder auf. Ein großartiger Mann! Die Christenheit kann stolz auf ihn sein. Es macht mir nichts aus, dass ich weit hinten sitze. Im Gegenteil: Die ungeheure Menge Menschen vor sich, der immer wieder aufbrausende Applaus. Es ist ein schönes Erlebnis.
605. Papstaudienz in der Audienzhalle. Gute Stimmung.
Nach der Audienz mache ich einen Spaziergang durch die Stadt bis zum Venezia - an der Gedenktafel für den ermordeten Aldo Moro vorbei, den man hier in einem Auto fand. Am Barberini gehe ich ins Netz und beschrifte Axel die neuen Fotos meiner Homepage.
An der Spanischen Treppe esse ich diesmal mein Butterbrot bei Sonnenschein und beobachte die Portraitmaler, die für wenig Geld hervorragende Bilder zeichnen. Einer packt jetzt schon ein. Die anderen feixen: Genug für heute verdient...? Bestimmt eineinhalb Stunden sitze ich hier und lese in Goethes Italienreise.
Nun geht es zum Park um die Villa Borghese . Hier haben die Römer viele Denkmäler „abgelegt“. Unseren Goethe, Lord Byron, Victor Hugo, ihren Umberto I. und andere mehr. Ins Museum gehe ich nicht. Ich kenne es und es wird auch zurzeit renoviert. Mehrere Schulklassen spielen ein römisches Wagenrennen auf einer großen Wiese nach. Begeistert, phantasievoll, kindlich. Die Lehrer feuern sie an. Eine lockere Atmosphäre.
606. Römische Schulklassen beim "Wagenrennen". Unsere fänden das albern.
Mit unseren Schülern dieses Alters könnte man das so nicht machen. Die fänden das albern bis blöd. Schade ist das. Zeigt sich hier der große Abstand zu den lebensfroheren Italienern? Hier gehen nur wenige in den Keller um zu lachen! Ging man früher an einer deutschen Grundschule vorbei: eine Klasse sang immer ein Lied. Und heute? – wird gerechnet! Noch glanzvoller wäre die Aktion bestimmt im Circus Maximus gewesen.
Um 17:00 h dunkelt es und ich fahre mit der Metro zurück nach Laurentina in meine Herberge. Morgen geht es heim. Ich freue mich auf zu Hause. Auf die Familie, die Freunde, auf die deutsche Gemütlichkeit, auf den Schweinebraten, die Knödel und das Sauerkraut und nicht zu vergessen auf meine Heimatbiere das Warsteiner, Veltins und Krombacher. Das kommt vom Herzen ohne Sponsoring. Ich ersehnte die Ferne und liebe die Heimat. Bis bald.
228. Tag Donnerstag, 30. Dezember 2004 Rom > Dortmund > Brilon 7 km (5.880 km)
(05.01.2005 Nachtrag) Abreisetage sind immer Aufbruchtage von früh an, auch wenn der Flieger erst am Nachmittag abhebt. Die Sorge, nicht mitzukommen und als Overbookter heraus zu fallen, dazu das Reisefieber sind schuld daran. Das erklärt auch, dass die Leute schon so früh auf dem Airport sind. Der römische Flugplatz Ciampino , ein ehemaliger Militärflugplatz, nun fast in fester Hand der preiswerten Flieger, liegt im Süden Roms , direkt an der Via Appia – meiner geliebten Straße.
Da ich noch viel zu schreiben habe, fahre ich von meiner Herberge schon um 9:00 h mit der Metro bis Termini . Das 1-€-Ticket gilt bis eine Haltestelle vor Ciampino, Campanelle . Ich kaufe also im Tabakladen ein 10-km-Ticket der Bahn und bin somit bis Ciampino versorgt. Von dort möchte ich wieder bis zum Flughafen die 30 Minuten laufen, obwohl eine Busverbindung besteht. Ich habe ja Zeit.
Eine Massagepraxis am Wegesrand lehnt mich ab: nur Frauen, obwohl das nirgendwo angeschlagen steht. Dafür verkauft mir ein Metzger gerne ein Stück Sülze – das Verlangen nach Gelatine ist noch nicht gestillt… Damit mein Pilgerstock nicht wieder in den Gepäckbunkern vergesse wird, mache ich ihn dicker. Am Wegesrand finde ich eine Gummimatte, die ich am Flughafen um den Stock wickle und mit Klebeband fixiere. Jetzt ist er nicht mehr zu übersehen.
607. Kurz nach dem Start in Rom. Bewegte Küste.
Für die Zeit auf dem Airport habe ich mich diesmal eingedeckt: Milch, Banane, Brötchen, Schinken. Die Sicherheitsvorkehrungen scheinen vorbildlich zu sein, denn ich lasse meinen Rucksack nur für 2 Minuten allein – schon stehen zwei Carabinieri dabei Wache.
Der Flug ins kalte Germanien ist in zwei Stunden abgedüst und Ritter SIR DIDIMUS steht schon in Dortmund bereit. Über sein Haus und einen Kaffee erreiche ich Brilon . Abschluss bei KIEVEL. Zwiebelsteak für SIR und mich. DOMI und CLAUDI , BERND und SCHORSCHI kommen und so findet die Kappwanderung ihren Abschluss. Zuhause haben mir die Kinder ein Präsentkörbchen auf den Tisch gestellt: Willkommen zu Hause – tatsächlich.
608. BARBARA und DIETMAR LIEBICH - zweimal abgeholt vom Flughafen. Alles vom Feinsten.
609. Heimkehr, frisches Veltins, Wirtshaus KIEVEL, v. l. n. r. DOMINIK, CLAUDIA, GEORG und BERND
Was jetzt folgt ist nur noch Nachspiel.
610. Die letzten Stempel im Pilgebuch - Abschluss im Wirtshaus KIEVEL /Altenbüren
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